Schöne Katastrophen

Conny Maier at Langen Foundation
Foto: Sebastian Drueen
Conny Maier at Langen Foundation
Foto: Sebastian Drueen

Mit der Art:card zu Conny Maier in der Langen Foundation

Die Langen Foundation in der Raketenstation in Neuss ist ein Ort manch ungewöhnlicher Ausstellung. Diesem Ruf wird der Ausstellungsraum derzeit abermals mit den „Beautiful Disasters“ (so der Titel) gerecht. Zu sehen sind erstmals in einer institutionellen Ausstellung Gemälde von Conny Maier. Mit der Art:card sind sie zu entdecken. Die Bilder der Künstlerin, die aus Berlin stammt und dort und in ihrem Atelier im portugiesischen Baleal, einem Surferhotspot, arbeitet, wirken durch ihre Farben und stellen dabei viele Fragen.

In der Raketenstation stößt man zunächst auf großformatige Blumenbilder oder auf kleine Portraits. Die Blumen haben Blüten, leuchtend hängen sie an ihren Stielen außen an einer Vase. Sind sie rot lebendig oder verwelkt? Bei genauem Hinsehen erkennt man zudem geschwungene farbige Linien, über das Bild gekritzelt. Zerstörende Irritation oder ein Mittel, um Distanz zum Gemalten zu schaffen?

Bei den Portraits - bei denen jedenfalls, die nicht nach realen Modellen gemalt sind - bleiben den Betrachterinnen und Betrachtern sicherlich die runden roten Mäuler der Dargestellten in Erinnerung oder die gleich drei Zigaretten, die einem Kettenraucher im Gesicht stecken. Das bereitet vor auf die Begegnung mit den Großformaten in der Ausstellungshalle: Geschöpfe in Übergröße, die fast aus den Grenzen der Leinwände quellen, riesige Leiber mit kleinen Köpfen, deformierte Gliedmaßen, große Hände, die abwehren, zurückweisen, greifen, vielleicht auch etwas halten oder zeigen. Die Figuren sitzen, hocken, reiten. Reiten sie braune Pferde oder grüne Fabelwesen?

Farbgewaltig sind die Bilder allemal. Der Gegensatz von leuchtender, lebendiger und schöner Farbigkeit und Deformation macht, dass die Bilder zwischen wohligem Farbreiz und einem mehr Unbehaglichen oszillieren. Sind die Bilder Traumbilder?

Manches wirkt archaisch, manches eher exotisch-märchenhaft. Hier und da finden sich Realität- und Tagesreste. Etwa, wenn ein Bild „Rothenbaum“ heißt und darauf im Hintergrund ein blaues Tennisfeld zu sehen ist. Oder das Bild mit dem Titel „Zwischenfall“: Acht Männer, rot, blau, grün, lila, einer hält eine grüngelbe Schlange in der Hand, ein anderer kommt mit einem weißen Tulpenstrauß, ein dritter hält eine Fahne, die aus dem Bild ragt. Einer der acht liegt vor der Gruppe am Boden, rechts und links scheinen sich zwei um ihn zu kümmern. Oder halten sie ihn am Boden? Davor eine Vase mit einem Strauß von Zweigen, weiß blühend. Die Augen von vier Dargestellten sind mit weißen Kringeln übermalt. Und hier auch wieder die verschlungene Linie, die über das Bild gemalt ist. Conny Maiers Kunst konfrontiert - und das ist positiv gemeint - inhaltlich mit einer Kunst der Übergänge, der Übergänge von Wirklichem zu Unwirklichem, mit einer Kunst des Unbestimmten.

Maier hat ihren ganz eigenen Stil autodidaktisch jenseits der Kunstakademiewelt entwickelt. Wer ihrem Werk in der Langen Foundation begegnet, begegnet dem Werk einer beachtlichen zeitgenössischen Malerin. Man kann sich daran nicht sattsehen.

Conny Maier, Beautiful Disasters. Langen Foundation, Raketenstation, 41472 Neuss, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Bis zum 7.April 2024.

Zeitgleich sind im Japanraum der Langen Foundation Werke klassischer japanischer Kunst aus der Edo-Zeit: Rollenbilder zu den vier Jahreszeiten.

Jetzt bestellen: Für unsere Mitglieder kostet die Art:card nur 85 Euro!

Text: Dr. Ulrich Erker-Sonnabend

Sonntag, 29.10.2023

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Letzte Aktualisierung: 28.11.2023 09:15 Uhr     © 2023 Theatergemeinde Düsseldorf | Grabenstraße 8 | 40213 Düsseldorf