Grosses Haus

Maria Stuart

Spielzeit 21/22
Schauspiel - Friedrich Schiller

Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ kam 1800 in Weimar auf die Bühne.
Die Handlung spielt im Jahr 1587. Sie setzt drei Tage vor Marias Hinrichtung ein, nachdem sie neunzehn Jahre in London in Gefangenschaft verbrachte. Dorthin war sie schutzsuchend geflohen, nachdem sie, die Königin von Schottland, wegen des Verdachtes auf Anstiftung zur Ermordung ihres Gatten, aus dem eigenen Land fliehen musste. Doch statt Schutz zu gewähren, ließ Elisabeth, Königin von England, sie inhaftieren.
Schiller schuf in seiner Tragödie den beiden Herrscherinnen ein literarisches Denkmal, in dem er zugleich die Grundzüge seiner ästhetischen und geschichtsphilosophischen Gedanken verarbeitete. So schildert er in Elisabeth I. eine kühl-reformorientierte protestantische Herrscherin, die privaten Gefühlen keinen Raum lässt, unverheiratet bleibt und ihre Handlungen vom Volkswillen und den Rollenerwartungen an eine Monarchin bestimmen lässt. Sie spricht zwar von Freiheit, ordnet sich aber den Zwängen ihres Herrschaftsanspruchs unter.
Maria Stuart hingegen ist selbst in der Gefangenschaft der Prototyp der authentischen weiblichen Persönlichkeit im Sinne Schillers: Ihr gehört die Sympathie des Autors, sie ist die titelgebende Figur des Dramas. Sie, die eher konservative Katholikin, die dreimal verheiratet war und mit ihrer Schönheit die Männer betört, befreit sich innerlich von allen äußeren Fesseln, findet zur Übereinstimmung mit sich selbst, erreicht die höchste Stufe , den „moralischen Zustand“ der menschlichen Entwicklung des Individuums, wie Schiller es im 24. Brief „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ wenige Jahre zuvor theoretisch formulierte. „Die Krone fühl ich wieder auf dem Haupt“, beschreibt Maria stolz und selbstbewusst ihren Zustand, als die Henker schon da sind.
Die Regie führt Laura Linnebaum, sie vertraut dem Schiller’schen Text, und entdeckt durchaus „feministische“ Aspekte darin, die ihr wichtig sind. Und in der Tat lässt der Autor schon vor 122 Jahren die kühle Elisabeth selbstbewusst für die Frauen streiten. Als der brave Lord Shrewsbury im zweiten Akt Marias Verhalten mit der Äußerung „Ein gebrechlich Wesen ist das Weib“ zu entschuldigen sucht, antwortet sie energisch: „Das Weib ist nicht schwach. Ich will nichts von der Schwäche des Geschlechtes hören. Es gibt starke Seelen in dem Geschlecht.“ Damit wird die Frage nach weiblicher Macht und Herrschaft in einem patriarchalen System eröffnet.
Nicht nur das Schiller’sche Menschenbild, die Frage nach der Freiheit des Einzelnen, sondern auch Schillers tiefe politische Enttäuschung über den Umschlag der Französischen Revolution (1789) in eine Terrorherrschaft überlagern den Königinnenkonflikt in diesem Stück, in dem der Autor leidenschaftlich um Fragen ringt, die ihn ein Leben lang umtrieben.

Regie: Laura Linnebaum
Mit: Maria Stuart, Königin von Schottland, Gefangene in England: Judith Bohle,
Elisabeth, Königin von England:
Minna Wündrich

Premiere: 22. Januar 2022 - Großes Haus

Text: Christa Fluck

Christa Fluck

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Die Termine

Di

14

Jun

Grosses Haus | 14.06.2022 | 19.30 Uhr - 22.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 25.05.2022 19:15 Uhr     © 2022 Theatergemeinde Düsseldorf | Grabenstraße 8 | 40213 Düsseldorf