Grosses Haus

Johann Holtrop.Abriss der Gesellschaft

Spielzeit 22/23
Schauspiel - Rainald Goertz

Die Bühne im Großen Haus erscheint als Schnüren-Kulisse: in dunklem Raum sind unzählige elastische, helle Fäden senkrecht von der Decke zum Boden gespannt. Dazwischen wird gespielt, getanzt, getobt, gezappelt, sich verrenkt. Acht Schauspielerinnen, darunter Lea Rückpaul und Cennet Rüya Voß aus dem Düsseldorfer Ensemble, alle anderen aus Köln, schlüpfen in diverse Rollen, gleichgültig ob Mann oder Frau, obwohl es wohl eher ein Männerstück ist. Einzig Melanie Kretschmann bleibt in ihrer Rolle als Johann Holtrop und gibt ihn bravourös: mal puppenhaft stilisiert, mal hysterisch überdreht, mal satirisch überzogen. Alle anderen sind mehr oder weniger endindividualisiert, austauschbar, nur noch Marionetten im kapitalistischen System, die sich ducken vor der Arroganz der Macht. Aussortiert kriechen sie davon und bringen sich um.
Zu Beginn des Stücks ist Johann Holtrop der arrogante Kapitalist an sich. Er schikaniert, blufft, und schafft es mit 48 Jahren bis zum Vorstandssitzenden des Medienkonzerns Assperg mit Sitz in Schönhausen und der Tochterfirma Arrow im thüringischen Krölpa mit 80.000 Mitarbeitern und15 Milliarden Bilanzsumme. Im himmelblauen Anzug und blond-gescheitelter Kurzhaarfrisur mit künstlicher Sprache, getrieben vom Rhythmus der Worte und der permanent begleitenden Live-Musik räkelt er sich über die Bühne. Doch dann kommt der Absturz. Wie im gleichnamigen Roman von Rainald Goetz, der 2012 erschien und sich mit den politisch-wirtschaftlichen Umbrüchen der Nullerjahre beschäftigt, wird Holtrop gefeuert, landet in der Psychiatrie, schafft einen erneuten Start, scheitert wiederum und begeht Schienensuizid.
Angeregt zu der Geschichte soll den Romanautor Goetz der Fall Thomas Middelhoff, der 2014 verurteilte Bertelsmann-Arcando-Manager, der allerdings bis heute lebt und wirkt.
Interessant ist die Verknüpfung mit dem Stück Reich des Todes von Rainald Goetz, das 2021 gleichfalls als Koproduktion mit Köln von Stefan Bachmann auf die mit Fäden bespannte Bühne gebracht wurde. Leider ist es abgespielt.


Christa Fluck

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Letzte Aktualisierung: 24.05.2024 15:15 Uhr     © 2024 Theatergemeinde Düsseldorf | Grabenstraße 8 | 40213 Düsseldorf